Frage

Vertrag Fitnessstudio

Sehr geehre Damen und Herren,

Ich habe im Mai einen Vertrag mit einem Fitnessstudio abgeschlossen. Der Mitgliedsbeitrag wird wöchentlich abgebucht und liegt z. Z. bei 14,99€ - der Beitrag erhöht sich pro Quartal um 0,24€. Die Laufzeit beträgt 24 Monate.
Es gibt keine AGB in dem Vertrag. Wenn eine Sportunfähigkeit vorliegt muss diese von einem Artzt bestätigt werden den das Fitnessstudio "festlegt".

Aufgrund der hohen Kosten die mir erst im Nachhinein klargeworden sind möchte ich so schnell wie möglich aus dem Vertrag herraus.

Wie komme ich aus diesem Vertrag vor Ablauf der Laufzeit herraus? Ist es rechtens pro Quartal 0,24€ "Reinigungs- und Servicepauschale" auf den wöchentlich aufzuschlagen?

Mit freundlichen Grüßen
Alexandra Bachmann

Fachbereich: Vertragsrecht
Preis: EUR 35,00
Erstellt am: 09.08.2011, 16:17 Uhr

Antwort

Sehr geehrte Fragende,

prinzipiell ist es sehr schwierig, aus solchen Verträgen herauszukommen.
So wurde vor Kurzem richterlich entschieden, dass dies bei einer Schwangerschaft möglich sein könnte. Auch bei schweren Verletzungen wäre dies möglich. Hierzu ist jedoch - wie Sie schon schreiben - ein Attest erforderlich.

Sie müssen also sozusagen einen Grund für eine fristlose Kündigung haben (dies ist leider nicht die Höhe der Raten). Es gibt auch bei vor Ort abgeschlossenen Verträgen kein Widerrufsrecht.

Die AGBs müssten im Studio aushängen, ein Verweis müsste auf dem Vertrag zu finden sein.

Eine Reinigungspauschale ist schon seltsam, aber wird vermehrt in die Verträge eingearbeitet. Wenn Sie hierüber jedoch aufgeklärt wurden, sieht es schlecht aus.

Sollten Sie - außer den Kosten - weitere Hinderungsgründe vortragen, so kann ich diese gerne prüfen. Gerne können Sie uns auch den Vertrag zufaxen.

Viele Grüße Dr. C. Seiter

Ergänzung:
Vielen Dank für die Zusendung des Vertrages.

Aufgrund der Zusendung ergibt sich tatsächlich doch eine Möglichkeit, vielleicht doch noch aus dem Vertrag herauszukommen (würde aber letztendlich von der Haltung eines Richters abhängen).

1. die Gebühren sind derart versteckt, dass sie meines Erachtens dem Transparenzgebot widersprechen.
So wird geworben mit "nur 14,75 € mtl.", dann ergeben sich jedoch 24 € mtl. für Trainer, 24 € für die Karte zzgl. einer Servicegebühr von 24 ct. wöchentlich.
Ich halte die Preisgestaltung für sehr unübersichtlich, da auch verschiedene Zeiträume angesprochen werden (jährlich, monatlich, wöchentlich). Was nun genau in 2 Jahren bezahlt werden muss, ist nicht deutlich genug.

So auch: LG Duisburg, 7 S 193/10.

2. Zwar ist eine Laufzeit von genau 24 Monaten wohl gerade noch vertretbar, jedoch gilt dies nicht ab Vertragsbeginn sondern ab Unterschrift. Wurde diese nun vor Vertragsbeginn gesetzt, so wäre die Laufzeit länger als 24 Monate und damit ebenfalls unwirksam (so auch: AG Kaiserslautern). Zudem sagt das AG Brandenburg (32 C 202/02), dass eine Probezeit notwendig wäre.
Diese ist erst gar nicht vereinbart worden.

3. Zudem halte ich es für nicht zulässig, dass die Arztwahl derart eingeschränkt wird.

4. Des weiteren sind keine Kündigungsmöglichkeiten aufgeführt.

Gerne helfen wir Ihnen weiter, sollten Sie gegen das Fitnessstudio vorgehen wollen.
Hilfreich wäre eine Rechtschutzversicherung. Sollten Sie ein Einkommen von netto um die 1000 € haben, so stünde Ihnen auch staatliche Hilfe zu (Beratungshilfe).

Viele Grüße Dr. C. Seiter

Beantwortet von:

Werner Seiter
Werner Seiter
Steuerberater