Frage

Trennung bei psychischer Erkrankung

Guten Tag!

Meine Frau hat sich offiziell vor über zehn Jahren von mir getrennt. Wir leben noch im gemeinsamen Haushalt der Kinder wegen (21 und 14 Jahre) und es wird nun Zeit für eine häusliche Trennung/Scheidung. Sie trägt auf Grund ihrer psychischen Erkrankung (Schizophrenie), die sie selbst nicht erkennt (festgestellt durch einen Psychiater), und auf keinen Fall in ärztliche Behandlung gehen will, nicht zum Lebensunterhalt bei, ist seit der Erziehungszeit der Kinder nicht mehr berufstätig und lebt seit langem ohne große Verpflichtungen in den Tag hinein.

Meine Fragen:

1. Sind alle Kriterienpunkte erfüllt die Scheidung einreichen zu können? Auch wenn meine Frau diesem nicht zustimmen würde?

2. Wie sind Unterhaltsverpflichtungen bei einer psychisch kranken Parnerin, die wohl dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung steht? Wie lange müsste ich der Verpflichtung nachkommen? Die Kinder würden bei mir bleiben.

Vielen Dank für Ihre Mühe und liebe Grüße aus Mannheim

Fachbereich: Familienrecht
Preis: EUR 75,00
Erstellt am: 30.06.2010, 18:00 Uhr

Antwort

Sehr geehrter Fragender,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich gerne beantworte.

Für die Einreichung einer Scheidung ist zunächst die Einhaltung des Trennungsjahres erforderlich (außer bei den Voraussetzungen nach §1565 Abs. 2 BGB "Leben die Ehegatten noch nicht ein Jahr getrennt, so kann die Ehe nur geschieden werden, wenn die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller aus Gründen, die in der Person des anderen Ehegatten liegen, eine unzumutbare Härte darstellen würde").

Eine Ehe ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wieder herstellen (§ 1565 Abs. 1 Satz 2 BGB).

Eine Trennung kann jedoch auch im eigenen Haus vorliegen, wenn das Prinzip "Trennung von Tisch und Bett" vorliegt, d.h. wenn Sie beide eine Wohngemeinschaft hatten mit getrenntem Einkauf, getrennten Konten etc.

Sollte dies bereits längere Zeit vorliegen, so könnte es sein, dass das Trennungsjahr dann bereits abgelaufen ist. Hierzu müssten Sie näher vortragen.

Nach Ablauf des Trennungsjahres kann die Scheidung eingereicht werden. Sie sollten sich dann rechtzeitig etwa 3 Monate vorher an einen Rechtsanwalt wenden. Sofern Ihnen jedoch Ansprüche aus Unterhalt zustehen würden, bereits eher (ist hier aber mangels Einkommen Ihrer Frau für das minderjährige Kind nicht zu erwarten).

Eine Unterhaltsverpflichtung besteht sowohl in der Trennungszeit als auch nach der Scheidung. Dann ist die Länge davon abhängig,
1. ob noch minderjährige Kinder zu betreuen sind
2. wie lange die Ehe gedauert hat
3. ob Ihre Ehefrau selber in der Lage ist, sich zu versorgen (was hier nicht der Fall sein dürfte).

Allerdings muss Ihnen ein Selbstbehalt verbleiben.

Ich würde Ihnen raten, einen Rechtsanwalt aufzusuchen und alle Punkte (Zugewinn, Versorgungsausgleich, Unterhalt, Trennungsjahr) individuell durchzusprechen, da dies von sehr vielen Faktoren abhängig ist.

Gerne helfen wir Ihnen diesbezüglich weiter.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. C. Seiter

Beantwortet von:

Dr. Corina Seiter
Dr. Corina Seiter
Rechtsanwältin u. Diplom-Ökonomin, zugleich Fachanwältin für Strafrecht & Familienrecht