Frage

Brille als Werbungskosten

Hallo!
Ich habe eine Frage:
Kann ich als Sportleher Kontaktlinsen oder eine Brille als Werbungskosten absetzen?
Viele Grüße "der Sportlehrer"

Fachbereich: Steuerrecht
Preis: EUR 35,00
Erstellt am: 04.04.2008, 19:46 Uhr

Antwort

Sehr geehrter Fragender,
Kontaktlinsen sind laut Urteil des FG München (1 K 1488/99 vom 6.12.2000) grundsätzlich keine Werbungskosten, selbst dann nicht, wenn sie anstatt einer Brille gekauft werden, um die berufliche Verletzungsgefahr auszuschließen.
Krankheitskosten, zu denen die Kosten für Kontaktlinsen, Brillen usw. zählen, sind vom Gesetzgeber grundsätzlich im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen zum Abzug vorgesehen worden, jedoch ist hierbei zu beachten, dass ein Abzug nur dann in Betracht kommt, wenn die Kosten hierfür über die sog. zumutbare Eigenbelastung hinausgehen.
Gleichwohl möchte ich Ihnen den Rat geben, im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung zu versuchen, die bei Ihnen hierfür angefallenen Ausgaben als Werbungskosten abzusetzen, da es sich in solchen Fragen häufig um Einzelfallentscheidungen handelt und die vorliegende Entscheidung keine höchstrichterliche Rechtsprechung darstellt.
Auch eine Sportbrille zählt leider nicht zu den Werbungskosten nach §9 Abs. 1 S. 1 EStG. Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Erhaltung und Sicherung von Einnahmen.
Brillen zählen dabei auch zur Lebensführung. Die Rechtsprechung sieht darin technische Hilfsmittel, um körperliche Mängel auszugleichen, die stets und nicht nur unwesentlich durch die allgemeine Lebensführung veranlasst sind (BFH 28.9.1990 III R51/89).
Auch sind sie keine Arbeitsmittel nach §9 Abs. 1 S. 3 Nr. 6 EStG, da sie nur die Sehschwäche ausgleichen und kein Werkzeug zur Erledigung einer Arbeit darstellen, auch nicht, wenn sie ausschließlich am Arbeitsplatz aufbewahrt werden und nur der Berufsausübung dienen, sie sogar erst ermöglichen (BFH 23.10.1992 VI R 32/91).
Auch hier gilt jedoch wieder: es handelt sich ggf. wieder um eine Einzelfallentscheidung. Ob dies anerkannt wird, entscheidet alleine das Finanzamt. Es entsteht Ihnen kein Nachteil, wenn Sie die Brille zur Üebrprüfung angeben, da es immer auch auf die Einzel-Umstände und die Begründung ankommt, die das Finanzamt vor Ort prüft. Ich würde noch Belege des Abreitsgebers/Augenarztes beifügen, wie wichtig die Brille/Kontaktlinsen sind.
Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. C. Seiter

Beantwortet von:

Dr. Corina Seiter
Dr. Corina Seiter
Rechtsanwältin u. Diplom-Ökonomin, zugleich Fachanwältin für Strafrecht & Familienrecht