Frage

Handwerkerleistungen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir hatten im letzten Jahr im Zuge unserer Steuererklärung für das Jahr 2012 Handwerkerleistungen für den Ausbau einer Logia zum Wohnraum geltend gemacht.
Dies wurde seinerzeit abgelehnt, da es sich um eine Neubaumaßnahme gehandelt habe. Den Hinweis auf geltendes Recht haben wir seinerzeit akzeptiert und KEINEN Widerspruch eingelegt.
Der BFH scheint sich mittlerweile in der Weise klärend geäußert zu haben, dass auch Leistungen im Rahmen von Neubaumaßnahmen abzugsfähig sind.

Besteht in dieser Angelegenheit trotz abgelaufener Widerspruchsfrist irgendeine Möglichkeit, die Aufwendungen nachträglich erneut geltend zu machen?

Mit freundlichem Gruß
H. W.

Fachbereich: Steuerrecht
Preis: EUR 30,00
Erstellt am: 08.02.2014, 14:31 Uhr

Antwort

Sehr geehrter Fragender,

im Rahmen einer Erstberatung auf Basis der von Ihnen hier gegebenen Informationen beantworte ich Ihre Frage gerne wie folgt:

Eine Korrektur des in Rede stehenden ESt-Bescheids kann nur begehrt werden
1. im Rahmen eines Rechtsbehelfsverfahrens (Einspruch) innerhalb der Einspruchsfrist von 1 Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids, oder
2. (nach Ablauf der Einspruchsfrist) im Rahmen eines Antrags auf schlichte Änderung des Steuerbescheids, sofern eine entsprechende Gesetzesnorm die Korrektur noch zulässt und die Festsetzungsfrist (grds. 4 Jahre) noch nicht abgelaufen ist.

Da laut Ihren eigenen Aussagen die Einspruchsfrist bereits abgelaufen ist, kommt ggf. nur noch eine schlichte Änderung in Betracht. Hierzu müsste jedoch der ESt-Bescheid entweder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung (§164 AO) stehen, oder der Steuerbescheid hinsichtlich des konkreten Sachverhalts, über den der BFH sodann entschieden hat, vorläufig gem. §165 AO ergangen sein.

Dieses wäre von Ihnen ggf. noch zu prüfen.

Sollte dies beides aber nicht gegeben sein, so scheidet m. E. nach eine Korrekturmöglichkeit leider aus, da auch etwaige andere Korrekturnormen (wie etwa nach §173 AO: "Änderung wegen neuer Tatsachen"; hierzu zählt allerdings nicht eine Änderung der Rechtsprechung) nach den mir vorliegenden Informationen nicht greifen dürften.

Sie hätten damals den Steuerbescheid eigentlich vorsorglich mittels Einspruchs "offenhalten" müssen und sodann die Rechtsprechung abwarten müssen.

Ich bedauere, Ihnen keine positivere Mitteilung machen zu können, hoffe aber, Ihnen dennoch hiermit weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Kfm. Kai Seiter
Steuerberater

Beantwortet von:

Dr. Corina Seiter
Dr. Corina Seiter
Rechtsanwältin u. Diplom-Ökonomin, zugleich Fachanwältin für Strafrecht & Familienrecht